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Die Welt entzweit sich #25

Die Welt entzweit sich, bergsicht Ausgabe 25 vom 19. Mai 2017

Ist gefühlt auch relevant?

Die um sich greifende Subjektivierung der Feststellung von Sachverhalten bereitet zunehmend Mühe und ist nicht ohne Gefahren. Während man früher schlicht das Thermometer konsultierte, um zu wissen, wie kalt oder warm es ist, wird man im postfaktischen Zeitalter mit der sogenannt «gefühlten Temperatur» konfrontiert. Wenn der Wind bläst, schlottere man mehr, und wenn es feucht ist, schleiche sich die Kälte in die Gebeine, so die Überlegung. Also kombiniert man Temperatur, Windgeschwindigkeit und Luftfeuchtigkeit miteinander und schafft damit einen neuen, künstlichen Indikator. Dadurch meint man, der Wahrheit näher zu kommen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Denn es ist schwierig zu ermessen, welchen Anteil nun Thermometer-Temperatur, Windgeschwindigkeit und Wassergehalt in der Luft an der kombinierten Kennzahl haben und wie sich diese verändern würde, wenn sich einer der Faktoren veränderte oder wegfiele. «Gefühlte Temperatur» bräuchte, um verstanden zu werden, die mathematischen Kenntnisse der partiellen Ableitung. Und man müsste auch noch wissen, wie die jeweilige Kleidung – ein völlig subjektives Element – und gegebenenfalls der Hormonhaushalt auf die spezifischen Faktoren reagieren.

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